Orthorexie: Wenn gesunde Ernährung zwanghaft wird

Immer mehr Menschen versuchen sich gesund und ausgewogen zu ernähren, denn es ist längst bekannt, dass Fertiggerichte voller künstlicher Zusatzstoffe oder ein Übermaß an Zucker der Gesundheit schaden können. Doch das Bestreben, ausschließlich gesunde Lebensmittel zu essen, kann zu einer Art Zwangsstörung oder Essstörung werden – auch Orthorexie genannt.

Was genau ist Orthorexie eigentlich?


Gesundes-Essen-UbersichtOrthorexie
(Orthorexia nervosa) ist eine Erkrankung, die zu den Essstörungen zählt, bei der die Betroffenen ein übertriebenes Verlangen danach haben, sich gesund zu ernähren. Orthorektikern geht es nicht darum, besonders schlank zu sein, wie es bei Magersucht oder Bulimie der Fall ist, sondern sie versuchen durch ihr Essverhalten bestimmten Erkrankungen vorzubeugen und unterliegen einer Zwangsstörung, die besagt dass nur das gegessen wird, was gesund ist.

Menschen, die an einer Orthorexie leiden, kaufen beispielsweise nur in Bioläden, essen Vollwertkost und meiden akribisch industriell hergestellte Nahrungsmittel. Das klingt erst einmal durchaus gesund! Problematisch wird es jedoch, wenn eine Form von Besessenheit hinzukommt, mit der Orthorektiker sich die strengen Regeln gesunder Ernährung auferlegen.


Menschen die unter einer klassischen Zwangsstörung leiden, sind sich ihres irrationalen, übertriebenen Handelns meist bewusst, können aber nicht anders. Bei Orthorexie sind die Betroffenen meist der Meinung, dass einzig ihr Verhalten richtig ist und alle anderen sich falsch verhalten.

Orthorexie und ihre Symptome

Bei dem Krankheitsbild der Orthorexie gibt es Verhaltensmuster und Anzeichen, die für die Orthorexie Definition ganz typisch sind. Menschen, die an dieser Essstörung leiden …

• machen das Thema Ernährung zu ihrem Lebensmittelpunkt.
• sind gedanklich ständig mit Fragen rund ums Thema Essen beschäftigt und reden übermäßig viel von „der richtigen Ernährung“.
• wählen Lebensmittel nicht nach Genuss oder Vorliebe, sondern einzig nach gesundheitlichen Kriterien aus, da dies die Essstörung so vorsieht
• haben Schuldgefühle, wenn sie von ihrem strikten Ernährungsplan abweichen.
• fühlen sich durch ihre Essstörung „Normalessern“ überlegen.
• entwickeln missionarischen Eifer, um andere von ihrer Ernährungsweise zu überzeugen.
• verzichten ausnahmslos auf als ungesund geltende Lebensmittel wie Zucker, Weißmehl, Fleisch usw.
• sind oft Anhänger eines bestimmten Ernährungstrends wie „Clean Eating“, „Raw Food“ oder „Detoxing“ und untermauern damit ihre Essstörung.
• sind aufgrund ihres reduzierten Speiseplans und der Zwangsstörung häufig sehr schlank oder gar untergewichtig.
• vermeiden strengstens das Essen in Restaurants, Kantinen oder bei Feiern von Freunden, wenn die Herkunft und genaue Zubereitung der Lebensmittel nicht bekannt ist.
• planen ihre Mahlzeiten penibel.
• schränken den Kontakt zu Nicht-gesund-Essern ein oder brechen diesen ganz ab.
• isolieren sich und haben wenig bis keine Sozialkontakte mehr.
• vernachlässigen wichtige Lebensbereiche wie Partnerschaft, Beruf oder Hobbys.
• nehmen Essen nicht mehr als soziale Komponente wahr.

Wie entsteht Orthorexie genau?

Teller-nur-mit-ErbsenAlle paar Wochen kursiert in den Medien ein neues Superfood, das eine ganz besonders gesundheitsfördernde Wirkung haben soll. Genauso regelmäßig werden Studien veröffentlicht, die bestimmte Lebensmittel anprangern. Milchprodkte gelten plötzlich als ungesund und auf Weißmehl oder Fleisch sollte unbedingt verzichtet werden. Hinzukommen die vielen Lebensmittelskandale. Ständig erhalten wir neue Informationen zum Thema Ernährung und die vermeintlichen Erkenntnisse sind oftmals widersprüchlich. Es ist nicht leicht, da die Orientierung zu behalten und das Gefühl zu haben, sich wirklich „richtig“ zu ernähren.

Am Anfang einer Orthorexie steht häufig der durchaus positive Wunsch, sich gesünder zu ernähren. Die Beschäftigung mit dem Thema Ernährung wird zusehends intensiviert und die Angst vor schädlichen Nahrungsmitteln wächst. Der Übergang von einer gesunden Lebensweise zu der Essstörung Orthorexie ist meist fließend.

Der Wunsch nach Kontrolle

Dass Essstörungen Ursachen haben, die sehr vielfältig sein können, ist bekannt. Im Gegensatz zur Esssucht geht es bei der Zwangsstörung Anorexie und Orthorexie aber oft um das Bedürfnis nach Kontrolle. Kontrolle, die in einigen Lebensbereichen verloren gegangen ist, wird durch eine Reglementierung der Nahrungsaufnahme und dem damit verbundenen gesunden Essen kompensiert. So können Ängste ausgeglichen werden und durch ein Gefühl von Reinheit und Selbstkontrolle wird das Selbstwertgefühl gesteigert.

Therapie und Behandlung

Wie bei anderen Ess- oder Zwangsstörungen erkennen auch Orthorektiker ihre Erkrankung meist erst an, wenn bereits Mangelerscheinungen auftreten, sie stark abgemagert sind oder aufgrund des weggebrochenen Beziehungsnetzes eine Depression entstanden ist. Geeignete Anlaufstellen bei einer Essstörung sind Ernährungstherapeuten oder Psychologen, die sich mit Essstörungen auskennen. Ziel der Therapie ist, zu einem „normalen“ Essverhalten zurückzufinden und Nahrungsaufnahme wieder als etwas Genussvolles, Schönes und Soziales zu erleben, ohne ausschließlich auf die Gesundheitsaspekte oder die Ernährung zu achten

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